Liebe Freundinnen und Freunde,

ich bin in Berkenthin aufgewachsen, 2.500 Einwohner*innen südlich von Lübeck, Solaranlage auf und 3 Generationen unter dem Dach, kein Auto vor der Tür, Inklusion in der Schule- Bullerby-Idylle

In der 3. Klasse wurde plötzlich eine Mitschülerin in den Libanon abgeschoben. Die Idylle bekam erste Risse.

2006 sollte meine Nachbarschule in Ratzeburg „zur Sicherheit“ eingezäunt werden. Mit Freunden startete ich Integrationsprojekte in der Stadt. Es war meine erste politische Aktion.

Als 2009 an der Kieler Uni der Putz bröckelte und die Lehre kollabierte, habe ich meinen Schlafsack genommen und mit anderen zusammen die Uni besetzt. Nach einigen Wochen saßen wir wieder in unseren überfüllten Seminaren aber mir war das nicht genug. Ich trat den Grünen bei – weil sie mutig und entschieden wirkten – und weil sie die hierarchieärmste Partei war. Und ich bin sicherlich nicht der einzige in diesem Raum, dem das immer noch wichtig ist.

Bildungspolitik und kreativer Protest, das sind meine Steckenpferde. Ich kenne nächtelange Vernetzungstreffen und Gremiensitzungen, habe Bildungskampagnen mit dem AStA der Uni Kiel gestaltet, die Demo „Uni ohne Geld“ organisiert und einige Zeit später konnten wir auch dank Monika einen grandiosen grünen Erfolg feiern: Die Hochschulen wurden finanziell massiv gestärkt.

Seit 2014 bin ich euer Sprecher der LAG Bildung und habe den Bildungsteil unseres Landtagswahlprogramm maßgeblich mitgestaltet – und auch mitverhandelt. Ich bin stolz darauf, dass wir Grüne am Ende so viel für ein gerechtetes Bildungssystem erreichen konnten. Denn schließlich sind Gleiche Bildungschancen für alle immer noch die beste Sozialpolitik.

Dann der 24. September 2017 – 18:01 Uhr – Prognose 13,5% AfD;

Am Ende haben 5.877.094 Menschen die Partei der Unmenschlichkeit gewählt.

5 Millionen 877 tausend 94 Menschen. Kaum später rief Gauland zur „Jagd“ auf – was macht das mit uns? Mit dem politischen Klima? Das macht … dass sich in Elmshorn am Montag darauf 6 Vollspacken vor eine Unterkunft von Geflüchteten stellen und „Wir fackeln euch ab“ brüllen und AfD-Fahnen schwenken. Sowas kommt von sowas.

Am Wahlabend überschlugen sich meine Gedanken. Was tun? Was ändert sich? Wie reagieren? Irgendwo zwischen kämpferischen, und suchenden Gedanken sah ich zuhause im Flur ein Grünen-Plakat „Zukunft kann man wollen. Oder machen!“. Wollen! Auf jeden Fall. Machen? Machen, ja! Auf einmal war der Gedanke ganz klar: Ja verdammt, ich muss mehr tun als nur politisch mitzuspielen. Diese Kandidatur, dieses Engagement ist meine Antwort auf die Gaulands und Höckes – Euch keinen Meter!

Klar gibt es rassistische Ressentiments und Nazis nicht erst seit gestern. Aber die AfD und ihre dauerverbitterten Schäferhund-Krawatten-Politiker haben sie gesellschaftsfähig gemacht. Sie zwingen uns Diskussionen auf, die all dem entgegenstehen, mit dem ich großgeworden bin.

Bedroht uns das? Nein. Die Bedrohung wird nur dann real, wenn wir in Angst verfallen.

Die richtige Antwort ist, selbst Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung als Partei.

Denn jetzt werden unsere Ideale mehr denn je gebraucht! Raus aus der Komfortzone und argumentieren, überzeugen – Wenn Gauland & co uns jagen wollen, dann graben wir ihnen bei jedem Thema mit unseren guten Argumenten das Wasser ab! Da muss auch der Landesvorstand thematisch breit aufgestellt sein.

Das will ich mit Euch gemeinsam tun und dafür im Landesvorstand arbeiten! Denn wir Grüne in Schleswig-Holstein sind einfach ein sauguter Laden. super Wahlergebnisse, super Mitgliederzahlen, super Leute.

Äh… Und jetzt haben wir Jamaika – der Sommer hats noch nicht mitbekommen. Liebe Freundinnen und Freunde, Jamaika ist kein Ponyhof! Jamaika ist für uns eine krasse Herausforderung.

Es zwingt uns in die Auseinandersetzung mit neuen Partnern. Aber genauso erreichen gute grüne Ideen neue gesellschaftliche Milieus und werden breiter diskutiert.

Das kann aber nur gelingen, wenn wir auch jeden Tag auf der Hut sind! Jamaika bringen wir nur als Gemeinschaftsprojekt zum Erfolg. Dafür brauchts die bunte inhaltliche Arbeit der Partei. Wir müssen uns genauso als Öko- wie als Bildungs-, Sicherheits-, Friedens-, Sozial und Gesundheitspartei verstehen!

Weil wir es können, weil wir als einzige Partei Attacke nach vorne fahren und nicht im Jetzt verharren!

Wir machen das ohne Kuscheln. Konstruktiv. Kritisch – Wo es nötig ist, auch als wahrnehmbares Korrektiv.

Wie gelingt uns das? Wir brauchen mehr Verbindungen in unseren Strukturen: Kreisverbände und Landesverband, Einbindung der Landesarbeitsgemeinschaften, Aktionismus, Idealismus, Kommunikation und vor allem eine produktive Streitkultur. Eine Streitkultur, die auch jeder den Grünen nachgesagten Spaltungstendenz widersteht.

Die Kommunalwahl 2018 steht an – die erste richtige Belastungsprobe zu Jamaika-Zeiten und die wollen wir gewinnen!

Also sorgen wir dafür, dass alle unsere Kreisverbände die besten Rahmenbedingungen haben. Unterstützen wir sie mit Vernetzung, Hilfestellung und vor allem fairer Einbindung. Neuen Mitgliedern können wir eine Plattform bieten, ihren Tatendrang auffangen und Motivation bündeln. Aber Nachwuchsförderung hat noch nie ohne Erfahrung funktioniert, weswegen ich auf die Unterstützung unserer jetzt Aktiven zähle!

Die Kommunalwahl führt mich zu einem weiteren Punkt: Die Landtagswahl 2022 klingt noch weit weg, aber es ist jetzt Aufgabe des Landesvorstands, die Zeit nach der nächsten Wahl mitzudenken. Wer sind wir dann? Was wollen wir danach erreichen? Und wie erreichen wir die Herzen und Köpfe der Menschen?

Die Kommunalwahl bietet die erste Chance, auch neue Leute in die Partei zu holen und zu begeistern. Neue Konzepte auszuprobieren und damit Erfolge zu feiern.

Ja, ich bin 28 Jahre jung. Ohne langjährige politische Karriere. Ohne Lebenserfahrung? Liebe Leute jeder hat Erfahrung. Und es ist unser urgrüner Anspruch den Menschen an sich zu sehen und nicht nach Kriterien wie dem Alter zu bewerten.

Auch auf Reisen habe ich Erfahrungen mitgenommen, jedes Mal wenn ich mit meinem riesigen grauen Reiserucksack losgezogen bin. Erfahrungen, die mir sagen, dass „Zukunft kann man machen!“ immer auch die Zukunft anderer meint.

Wie wäre es mit einer Zukunft… in der nebenan Arbeitsplätze für Windkraft geschaffen werden, um das Kohlekraftwerk Wedel abzuschalten, um den CO2-Ausstoß Deutschlands zu senken, um die Atmosphäre nicht weiter zu erwärmen, um die Polkappen nicht abschmelzen zu lassen, um den Meeresspiegel nicht ansteigen zu lassen, um das ghanaische Dorf Totope nicht in Wasser und Sand versinken zu lassen, um Theophilus Agbakla eine Existenz in seinem Dorf zu ermöglichen. Das meint: „Global denken, lokal handeln!“

Liebe Freundinnen und Freunde, wir sind hier oben stürmische Zeiten gewöhnt und es wird auch politisch nicht ruhiger werden. Aber irgendwie brauchen wir das ja auch – und ich brauche genau diese politischen Zeiten. Mit euch gemeinsam möchte ich die kommenden Jahre gestalten/…

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