Liebe Freund*innen,

das Jahr war stürmisch: Erdogan, Trump, terroristische Anschläge und rechte Angriffe, Lebensmittelskandale und Naturkatastrophen. Aber es war auch für uns Grüne turbulent: Landtagswahl, Koalitionsbildung und eine Bundestagswahl, bei der der Freude über unser Ergebnis das Entsetzen über die AfD folgte. Und ich spürte fast körperlich: jetzt musst Du ran. Die aktuellen politischen Turbulenzen sind enorm. Sie fordern unsere ökologische, weltoffene und freiheitlich-bürgerrechtliche Haltung heraus. „Zukunft kann man wollen. Oder machen!“, genau aus dieser Motivation heraus, kandidiere ich für euch um das Amt des Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein. ich will nicht nur dabei sein, sondern mittendrin. Ich will Politik gestalten, Menschen für Politik begeistern und überzeugen. Von grüner Politik. Ich will in diesen schwierigen, für unsere Partei brisanten Jahren, Verantwortung übernehmen.

Unserem Landesverband kommt eine große Bedeutung in Zeiten schwierigerer Bündnisse zu. In der Jamaika-Koalition müssen wir beweisen, dass unsere Vorstellung von Bildung, Landwirtschaft und Naturschutz, der Energie- und Mobilitätswende auch mit Partnern außerhalb des klassisch-grünen Milieus umsetzbar ist. Wir können mit unseren Gedanken und Taten überzeugen, dass unser Verständnis von Gerechtigkeit, Freiheit und Nachhaltigkeit eine Antwort für die Probleme vieler Menschen heute und in Zukunft bietet. Wir alle, Basis und Landesvorstand als Sprachrohr sind jetzt gefordert, dafür zu sorgen, dass grüne Politik auch in ungewohnter Konstellation gelingen kann. Ich will dafür kämpfen, dass die Landespolitik in den nächsten Jahren ihre progressive Dynamik behält und grüne Positionen gewichtig zum Tragen kommen. Unsere grüne Bewegung mit ihrem speziellen schleswig-holsteinischen Stil kann und muss neue Gruppen für sich gewinnen und wachsen.

Was müssen wir als Partei dafür tun? In unseren Kreisverbänden, Landesarbeitsgemeinschaften, der Landesgeschäftsstelle, Fraktion und unseren beiden Minister*innen steckt ein riesiges Potential an grüner Energie, die gefördert und gebündelt werden muss. Ich wünsche mir mehr Diskussionen auf Parteitagen und in unseren Gremien darüber, was „grüne Position“ sein soll. Dazu muss auch der Landesvorstand selbst politischer werden und stärker mit beschlossenen Positionen der Partei in die Öffentlichkeit treten. Auch müssen wir jetzt schon die Zeit nach 2022 in den Blick nehmen: Welche Regierung werden wir gewesen sein? Was ist abegarbeitet? Was folgt aus Jamaika? Diese Debatte muss jetzt beginnen und vom Landesvorstand aktiv gestaltet werden.

Gerade in der Bewährungsprobe der Jamaika-Zeit brauchen wir einen Idealismus und Aktivismus des Aufbruchs und manchmal des Aufruhrs. Wollen wir als grüne Bewegung weiterhin erfolgreich sein, brauchen wir Leidenschaft und Debatte, neue Motivation und alte Hasen. Und wir brauchen eine Öffnung für bislang unterrepräsentierte Gruppen in unserer Partei selbst.

Ich bin 28 Jahre alt und so ist mir natürlich die Einbindung und Förderung neuer und insbesondere junger Mitglieder eines meiner Kernanliegen. Nur wenn es uns gelingt, die Motivation zum Eintritt in eine Partei aufzugreifen, Tatendrang zu vernetzen und zu fördern, wird dieser Landesverband auch zukünftig erfolgreich sein können. Kommunalpolitische Vernetzung, Schulungen zu Social Media, neue Wahlkampfformate, Rhetorik und Argumentationstrainings sowie zu aktuellen politischen Themen können hier erste Ansätze sein. Wichtig ist mir jedoch vor allem die gegenseitige Wertschätzung und Einbindung der verschiedenen Strukturen der Partei in die Prozesse des Landesverbands. Bei aller Unterschiedlichkeit von Städten, Dörfern, Meinungen und Ebenen müssen wir dafür sorgen, dass Entscheidungen transparent zustande kommen und mit großer Sorgfalt kommuniziert werden. Auf diese Art will ich die erste Bewährungsprobe „nach Jamaika“ mit starken Kreisverbänden gewinnen: Die Kommunalwahl im nächsten Jahr!

In Schleswig-Holstein sind wir raue (Ge-)Zeiten gewohnt – ob politisch oder natürlich sind wir Grüne es gewohnt, uns neuen Aufgaben zu stellen und dabei einen klaren Verstand zu behalten. Ich will in den kommenden zwei Jahren meine ganze Energie dafür einsetzen, dass „grün“ auch weiter für einen Blick nach vorn, für mutige Entscheidungen mit Bedacht und klarer Haltung steht.

Liebe Freund*innen, meine Generation ist die erste, die den Klimawandel spürt und die letzte, die ihn womöglich aufhalten kann – das ist Verpflichtung zur politischen Arbeit für mich und ich Bitte euch, um euer Vertrauen für zwei Jahre als Landesvorsitzender.

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